Solaranlage aufs Mehrfamilienhaus: Lohnt sich das?
Beim Einfamilienhaus ist die Rechnung einfach: Der Eigentümer wohnt drin, verbraucht den Solarstrom selbst und spart. Beim vermieteten Mehrfamilienhaus ist es komplizierter – denn der Strom wird oben auf dem Dach erzeugt, verbraucht wird er aber in fremden Wohnungen. Genau hier entscheidet sich, ob sich die Anlage lohnt. Dieser Ratgeber führt Vermieter und Eigentümer durch alle relevanten Punkte.
Die entscheidende Frage: direkter Verbrauch statt Einspeisung
Eine Photovoltaikanlage erzeugt heute Strom zu Gestehungskosten von ungefähr 8 bis 12 Cent pro Kilowattstunde. Speisen Sie diesen Strom ins öffentliche Netz ein, erhalten Sie aktuell nur eine vergleichsweise niedrige Einspeisevergütung von rund 8 Cent. Verkaufen Sie dieselbe Kilowattstunde dagegen an Ihre Mieter, sind – innerhalb der gesetzlichen Grenzen – etwa 23 Cent möglich. Der Unterschied ist gewaltig: Jede vor Ort verbrauchte Kilowattstunde bringt ein Vielfaches dessen, was die Einspeisung einbringt.
Damit steht und fällt die Wirtschaftlichkeit einer Solaranlage auf dem Mehrfamilienhaus mit einer einzigen Größe: dem Anteil des Solarstroms, der direkt im Gebäude verbraucht wird (der sogenannten Eigenverbrauchs- oder Vor-Ort-Quote). Bei einem Mehrparteienhaus ist diese Quote naturgemäß hoch, weil viele Haushalte über den Tag verteilt Strom benötigen – im Gegensatz zum berufstätigen Single-Haushalt, der tagsüber kaum Strom zieht.
Wer nutzt den Strom – und wie kommt er dorthin?
Das Konzept, bei dem selbst erzeugter Solarstrom direkt an die Bewohner eines Gebäudes geliefert wird, nennt sich Mieterstrom. Der Strom fließt dabei nicht durch das öffentliche Netz, sondern wird im Haus verteilt – wodurch Netzentgelte und ein Teil der Abgaben entfallen. Genau dieser Wegfall schafft den Spielraum, den Strom günstiger als der Grundversorger anzubieten und trotzdem gut daran zu verdienen.
Für die Lieferung gibt es mehrere Wege, vom Rundum-sorglos-Paket bis zur schlanken Variante. Einen vollständigen Überblick gibt unser Beitrag zu den Betriebsmodellen; die Grundlagen erklärt Was ist Mieterstrom?.
Kurz gesagt: Eine Solaranlage aufs Mietshaus lohnt sich vor allem dann, wenn Sie den Strom an die Mieter liefern – nicht, wenn Sie ihn nur einspeisen.
Rechenbeispiel: 12-Parteien-Haus mit 20 kWp
Nehmen wir ein typisches Mehrfamilienhaus mit 12 Wohneinheiten und einer 20-kWp-Anlage auf dem Dach. Die Annahmen:
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| PV-Jahresertrag (20 kWp × ca. 1.050 kWh) | ≈ 21.000 kWh |
| Teilnehmende Parteien (70 %) | ≈ 8 von 12 |
| Gemeinsamer Verbrauch der Teilnehmer | ≈ 20.000 kWh/Jahr |
| Direkt geliefert (mit kleinem Speicher) | ≈ 12.500 kWh/Jahr |
| Verkaufserlös (× 23 ct) + Zuschlag | ≈ 3.200 €/Jahr |
| Einspeisung Überschuss | ≈ 680 €/Jahr |
| Erlös 1. Jahr | ≈ 3.900 €/Jahr |
Bei einer Investition von rund 33.500 € (Anlage plus kleiner Speicher) amortisiert sich das Projekt – unter Berücksichtigung steigender Strompreise – in etwa 8 Jahren. Über 25 Jahre summiert sich der Ertrag auf einen sechsstelligen Betrag. Ihre konkreten Zahlen ermitteln Sie am schnellsten mit dem Wirtschaftlichkeitsrechner; die Erlösseite vertieft Geld verdienen mit Stromverkauf.
Kosten & Förderung im Überblick
Die größte Position ist die Anlage selbst. Dabei gilt: Größere Anlagen kosten weniger pro Kilowatt-Peak, weil sich die festen Kosten für Gerüst, Planung und Anschluss auf mehr Leistung verteilen.
- Anlage: rund 1.200–1.450 €/kWp je nach Größe (für typische Dach-PV gilt 0 % Umsatzsteuer).
- Speicher (optional): hebt den Vor-Ort-Verbrauch und damit die Erlöse, kostet aber zusätzlich.
- Messkonzept: intelligente Zähler je Einheit; der virtuelle Summenzähler spart Umbaukosten.
- Förderung: Mieterstromzuschlag über 20 Jahre, dazu die Steuervorteile (0 % USt., Einkommensteuerbefreiung bis 30 kWp je Einheit).
Die vollständige Aufstellung finden Sie unter Was kostet Mieterstrom?.
Wie viel Aufwand habe ich als Vermieter?
Das ist die zweite große Sorge nach den Kosten – und sie ist berechtigt, lässt sich aber steuern. Sie haben drei grundsätzliche Wege:
- Selbst betreiben und auslagern: Sie investieren, geben Messung, Abrechnung und Kundenbetreuung aber an einen Dienstleister. Höchste Erlöse, überschaubarer Eigenaufwand.
- Schlankes Modell (GGV): Sie liefern nur den Solarstrom, der Reststromvertrag bleibt beim Mieter. Damit umgehen Sie die meisten Pflichten eines Energieversorgers – mehr dazu unter Mieterstrom, ohne Energieversorger zu werden.
- Verpachten / Contracting: Ein externer Betreiber investiert und betreibt, Sie stellen nur das Dach und erhalten Pacht und/oder günstigen Strom. Praktisch kein Aufwand, kein Risiko – siehe Mieterstrom ohne Umbau.
Wirkung auf die Immobilie
Neben den direkten Stromerlösen wirkt eine Solaranlage auf den Wert und die Vermietbarkeit der Immobilie. Günstiger, lokal erzeugter Strom ist ein echtes Vermietungsargument, die Energiebilanz des Gebäudes verbessert sich, und Sie machen sich ein Stück unabhängiger von der allgemeinen Strompreisentwicklung. In Zeiten, in denen Energieeffizienz bei Mietern und Käufern zunehmend zählt, ist das ein nicht zu unterschätzender weicher Faktor.
Wann es sich (noch) nicht lohnt
Ehrlich bleiben gehört dazu. Schwierig wird es, wenn das Dach ungeeignet ist (starke Verschattung, schlechte Ausrichtung, sanierungsbedürftig), wenn sehr wenige Parteien im Haus wohnen und der Gesamtverbrauch klein ist, oder wenn die Teilnahmebereitschaft der Mieter gering ausfällt. Auch ein sehr kleines Bestandsobjekt mit nur zwei, drei Einheiten kann den organisatorischen Aufwand sprengen – hier lohnt der Blick auf besonders schlanke Modelle oder das Contracting.
Die nächsten Schritte
- Dachfläche, Ausrichtung und Zustand grob einschätzen.
- Gemeinsamen Stromverbrauch im Haus abschätzen (inkl. Allgemeinstrom, Wärmepumpe, Ladepunkte).
- Wirtschaftlichkeit überschlagen – z. B. mit dem Rechner.
- Passendes Betriebsmodell wählen (oder beraten lassen).
- Angebote einholen und Messkonzept festlegen.
Häufige Fragen
Lohnt sich eine Solaranlage auf einem vermieteten Mehrfamilienhaus?
In den meisten Fällen ja. Anders als beim selbst genutzten Einfamilienhaus stellt sich die Frage, wer den Strom nutzt. Wird der Solarstrom an die Mieter geliefert, sind die Erlöse deutlich höher als bei reiner Einspeisung – die Anlage amortisiert sich dann häufig in rund 8 bis 12 Jahren und liefert danach noch viele Jahre Ertrag.
Was bringt die Solaranlage, wenn ich selbst nicht im Haus wohne?
Als Vermieter profitieren Sie über den Stromverkauf an die Mieter (zuzüglich Mieterstromzuschlag) sowie über die Einspeisevergütung für den Überschuss. Zusätzlich werten Sie die Immobilie auf und verbessern deren Energiebilanz, was sich auf Vermietbarkeit und Wert auswirken kann.
Muss ich als Vermieter zum Energieversorger werden?
Nicht zwingend. Beim klassischen Mieterstrom übernehmen Sie die Lieferantenrolle (oft über einen Dienstleister), bei der Gemeinschaftlichen Gebäudeversorgung liefern Sie nur den Solarstrom und vermeiden die meisten Pflichten. Über ein Pacht- oder Contracting-Modell geben Sie Betrieb und Risiko ganz ab.
Wie groß sollte die Anlage sein?
Die Anlage sollte zum gemeinsamen Verbrauch im Haus passen, nicht zur maximalen Dachfläche. Entscheidend ist ein hoher Vor-Ort-Verbrauch: Je mehr Solarstrom direkt im Gebäude genutzt wird, desto wirtschaftlicher. Als grobe Orientierung dienen rund 5 m² Dachfläche je kWp.
Quellen & weiterführende Informationen
- Bundesnetzagentur – Mieterstrom (Verbraucherinformationen)
- EEG § 21 – Mieterstromzuschlag
- Verbraucherzentrale – Mieterstrom
Stand der Angaben: Mai 2026. Fördersätze und Rechtslage können sich ändern – maßgeblich sind die jeweils aktuellen Veröffentlichungen der genannten Stellen.